Ist die Erhöhung des Grundwasserspiegels im Norden Biberachs hausgemacht?

 

Wehr Jan 2018

Wehrabfluss beim Risscenter am 22. Jan. 2018

 

Immer mehr Bürger in Birkendorf oder auch an der Ehinger Straße in Biberach sind vom Anstieg des Grundwassers betroffen. Die Keller sind bereits bei kleineren Regenmengen nass oder es steht gar Druckwasser im Keller. Kaum ein Keller steht in einer „weißen Wanne“, da diese in der Vergangenheit nicht gefordert war und auch nicht auf das Risiko von Druckwasser hingewiesen wurde.

 

Das Phänomen tritt verstärkt seit dem Jahr 2011 auf. Die Frage: WARUM?

 

Als Ursachen des Grundwasserspiegelanstieges sehen wir:

 

  • Die Nordwestumfahrung, bei deren Bau unterhalb des Grundwasserspiegels Bodenverdichtungen vorgenommen werden mussten und zwar quer zur Grundwasserabflussrichtung. Dies führt zu einem Rückstau des Grundwassers.

 

  • Tiefgründende und großflächige Industrie- und Gewerbebaumaßnahmen im nördlichen Risstal zwischen BC und Warthausen und die Einleitung des anfallenden Oberflächenwassers aus deren Bereichen in die Riss. Beide Maßnahmen führen zum Ansteigen des Riss-Pegels und des Grundwasserspiegels, da dem Grundwasser der bisherige Raum zur Ausdehnung in dem hier engen Risstal genommen wird.

 

  • Massive Oberflächenwassereinleitungen in die Riss aus den Neubaugebieten auf den Anhöhen links und rechts des Risstals in Biberach und Warthausen. Der Abfluss eines Teils des Grundwassers über die Riss wird so erheblich erschwert.

 

Weitere Verschärfungen diese Situation sind zu erwarten …

 

  • durch die Renaturierung der Riss in Birkendorf. Der Fluss soll deutlich breiter, geschlängelter und langsamer werden. Er soll mäandern und Geschiebe (Erde, Sand und Kies) versetzen können. Das bedeutet, der 1932 als Hochwasserkanal zum Schutz der Innenstadt von Biberach vor Hochwasser erstellte Kanal wird zurückgebaut. Die Riss wird sich selbst überlassen. Ob dann der Hochwasserschutz noch voll umfänglich gewährleistet werden kann? Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel in Birkendorf und nicht nur dort sind jedenfalls zu erwarten!

 

Riss Jan 2018

Vom Wehr beim Risscenter Richtung Norden am 22.Jan. 2018

 

  • durch weitere tiefgründende Baumaßnahmen zwischen BC und Warthausen. Die durch deren Fundamente entstehende Verdrängung und Stauung des Grundwassers wird einen weiteren Anstieg des Grundwasserspiegels in Birkendorf und Warthausen nach sich ziehen.

 

  • durch die Versiegelung des Gebietes für das geplante Industriegebiet IGI im Risstal. Das anfallende Oberflächenwasser soll in die Riss eingeleitet werden. Ein Rückstau der Riss in südlicher Richtung ist zu erwarten. Dies führt zu einem höheren Wasserspiegel in der Riss und zu einer Erhöhung des Grundwasserspiegels mit den bekannten Folgen.

 

  • durch die im Verkehrswegeplan vorgesehene Nord-Umfahrung von Warthausen auf Höhe der Kläranlage/TBA. Mit ihrer Umsetzung erfolgt ebenfalls eine Verdichtung des Erdreiches nochmals quer zur Fließrichtung des Grundwassers. Dies stellt einen weiteren Damm für die Grundwasserabflussrichtung nach Norden zur Donau dar. Auch hier sind die Folgen für die Entwicklung des Grundwasserspiegels in Warthausen (Schwabenwiesen und Jahnstraße) nicht absehbar.

 

Auf die Gefahren bei Starkregen haben wir noch gar nicht hingewiesen!

 

Ökologische Chance im Risstal nutzen!!

 

Das Risstal bei Warthausen ist ein ökologischer Klein-Kosmos, Wasserschutzgebiet und Rückhalteraum bei Starkregenereignissen. Eine industrielle Bebauung zerstört seine gesamte Funktionsfähigkeit: „Wasser, Moore, CO2-Speicher“ –  und ist eine Umweltsünde in nicht absehbarem Ausmaß!

 

Wir fordern:

  • Rückhalteflächen für Starkregenereignisse schützen!
  • Wasserschutzgebiet soll Vorrang haben!
  • Gesundes Verhältnis von Landwirtschaft und Industrie wahren!
  • Klares Bekenntnis zur regionalen Landwirtschaft!
  • Keine Kommunalisierung von landwirtschaftlichen Flächen!
  • Bodenschutzgesetze respektieren – kein weiterer Flächenfraß sondern Rückbau alter Industrieanlagen und eine veränderte Einstellung zum Flächenverbrauch!
  • Grenzen der Bebauung respektieren!
  • Eine sofortige Einstellung eines Flussgebietsmodells für die Riss unter Berücksichtigung des Starkregens!

 

Das Risstal leistet …

 

Ueber_uns

Im Risstal wird Landwirtschaft im Einklang mit der Natur gelebt.

 

 

Hochwasser_Risstal

Starkregenereignisse 2015/2016: Das Risstal wirkt wie ein natürliches Regenrückhaltebecken – es sammelt das Wasser und verhindert einen raschen Abfluss.

 

Können wir uns eine Versiegelung leisten?

Wenn die Natur den Menschen schützt – muss der Mensch auch die Natur schützen!

 

Kirchen beider Konfessionen müssen Verantwortung übernehmen für die Schöpfung und zum geplanten interkommunalen Industriegebiet Stellung beziehen!

 

Flyer von Prof. Hermann Weber, 2018

 

Erhaltet das ökologische Gleichgewicht im Risstal!

 

Durch die Bedarfsanmeldung für ein Industriegebiet ist im Risstal bei Warthausen ein Nutzungskonflikt entstanden. Hierfür wurde von den beteiligten Kommunen beim Regierungspräsidium in Tübingen ein Antrag zur Zielabweichung gestellt.

Es ist zu klären; welche Raumfunktion ist wichtiger:

Die eines Industriegebiets oder die einer natürlichen Retentionsfläche bei Starkregenereignissen.

 

Für die Raumfunktion als Industriegebiet haben Politik und Wirtschaft eine enorme Lobby-Arbeit betrieben. Dass das Risstal in seiner jetzigen Form, bei Starkregenfällen in einem immer wiederkehrenden Kraftakt hunderttausende Kubikmeter Wasser aufnimmt und zwischenspeichert bleibt für Außenstehende weithin unbemerkt. Lediglich die Landwirte vor Ort wissen um die Besonderheit dieses Gebietes, das aus diesem Grund auch Badewanne genannt wird. Ohne die Bürgerinitiative Schutzgemeinschaft Risstal würde die Lobby-Arbeit für das Risstal als wichtige Retentionsfläche bei Starkregenereignissen gering ausfallen.

Nach der Bebauung im Risstal würde man in langwierigen und teuren Gutachten feststellen müssen, welches ökologische Gleichgewicht hier zerstört worden ist. Durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse zu. Lokale extreme Niederschläge, ohne nennenswerte Vorwarnzeit, führen zu enormen Schäden. Diese Schäden machen inzwischen 50% der Überflutungsschäden aus.

 

Das Zentrum für Luft- und Raumfahrt erstellt Starkregenzonierungen und stellt sie allen Gemeinden kostenfrei zur Verfügung. Die Karte für das Risstal hat der hier zuständige Fachmann mit dem Vermerk kommentiert „hier würde ich nicht bauen“.

 

Von allen Gremien, die sich mit Starkregen intensiv beschäftigen wird inzwischen die Analyse von Überflutungsgefährdungen gefordert. Diese Vorprüfung sollte ein unbedingter Bestandteil für ein Zielabweichungsverfahren sein, da bei einem Gefährdungspotential Mensch und Umwelt zu Schaden kommen können.

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